DIE TOP 5

MYTHEN DER PKV

UNTER DER LUPE

„Ein Gesunder Mensch hat viele Wünsche,

Ein kranker nur einen…

gesund werden!“

By OLIVER SCHULZ

Du bist in der glücklichen Situation, dich privat krankenversichern zu können! Bist dir aber unsicher, ob du diesen Schritt wirklich gehen sollst? Damit stehst du nicht alleine da. Wenn man in seiner Bekanntschaft herumfragt oder das Internet durchsucht, bekommt man viele widersprüchliche Informationen. Bei der wika AG beschäftigen wir uns nun seit 2006 mit dem Thema „private Krankenversicherung“. Und wir hören in jedem Beratungsgespräch zu diesem Thema immer wieder die gleichen Unstimmigkeiten. Zeit, mit den Mythen einmal aufzuräumen.

Die Entscheidung in die private Krankenversicherung zu wechseln, sollte tatsächlich gut überlegt werden. Viele oben angesprochenen Mythen sind auch nicht falsch. Aber sie treffen eben nicht auf jeden Einzelfall zu. Daher ist es wichtig, deine individuelle Situation genau zu betrachten.

 

Die Beiträge in der PKV werden immer teurer!

Die Überschrift ist richtig! Es stimmt, dass die Beiträge zur privaten Krankenversicherung steigen. Trotzdem handelt es sich hier um ein Mythos. Aber mal von vorne mit einem praktischem Beispiel.

Einer meiner Makler-Kollegen ist seit 15 Jahren privat krankenversichert. Heute ist dieser Kollege 39 Jahre alt.

Oli hat mit 24 Jahren den Wechsel in die private Krankenversicherung vollzogen. Sein Beitrag im ersten Jahr betrug monatlich 220,00 Euro. Und ja, tatsächlich, die Beiträge sind alle Jahre gestiegen. Im Jahr 2020 musste Oli schon 368,00 Euro bezahlen.

Das entspricht einer Steigerung des Beitrages von 3,5 % p. a.

Also, es stimmt! Die Beiträge steigen mit den Jahren. Aber:

Jede Situation hat bekanntermaßen zwei Seiten. Wie schaut die zweite Seite aus?

Oli ist selbstständig. Und Oli hat auch schon mit 24 Jahren gut verdient. Die Beitragsbemessungsgrenze lag im Jahr 2005 bei 3325,00 € Brutto pro Monat.

Somit hätte Oli in der gesetzlichen Krankenversicherung monatlich 569,29 Euro inkl. Pflegeversicherung bezahlen müssen.

Natürlich ist auch die Beitragsbemessungsgrenze über die Jahre weiter gestiegen.

2010: 3750,00 Euro
2015: 4125,00 Euro
2020: 4687,50 Euro

Somit hätte Oli im Jahr 2020 881,26 Euro an die gesetzliche Krankenversicherung inkl. Pflegeversicherung zahlen müssen.

Das entspricht einer Steigerung von 3 % p. a.

Die Durchschnittseinkommen in Deutschland sind von 2005 bis 2020 von 2228,00 Euro auf über 3100,00 Euro brutto gestiegen. Was einer Steigerung von 2,26 % p.  a. entspricht. Das nennt man Inflation. Wir müssen für die gleichen Waren und Dienstleistungen immer mehr Geld ausgeben. Die Kaufkraft sinkt. Du brauchst mehr Zahlen? Hier noch einige Werte, die das Thema „Inflation“ anschaulich darstellen.

Die Höchstbeiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung von 1970 bis 2020 in Euro:

1970:   50,31 €
1980: 183,60 €
1990: 301,98 €
2000: 504,57 €
2010: 641,25 €
2019: 703,31 €
2020: 881,26 €

Die durchschnittlichen Brutto-Monatseinkommen in Deutschland von 1960 bis 2019 in Euro:

1960:   260,00 €
1970:   569,00 €
1980: 1256,00 €
1990: 1787,00 €
2000: 2323,00 €
2010: 2667,00 €
2019: 3099,00 €

Ja, und auch das Maß Bier auf dem Oktoberfest hat seinen Preis. 🙂

mythen

Also, alles steigt im Preis, dass ist nichts ungewöhnliches.

Bisher haben wir aber nur über die Beitragshöhe geredet. Aber wie sieht es mit dem Versicherungsschutz aus?

Oli hat in den ganzen 15 Jahren einen gehobenen, privaten Krankenversicherungsschutz genossen. 

Hier einige Highlights:

  • 100% Zahnbehandlung inkl. professioneller Zahnreinigung
  • 80% Zahnersatz
  • Ein-Bett-Zimmer mit Chefarztbehandlung
  • freie Krankenhauswahl
  • 300,00 Euro Zuschuss zur Brille (alle 2 Jahre)
  • keine Altersbeschränkung bei Vorsorgeuntersuchungen
  • 150,00 Krankentagegeld Anspruch ab dem 29. Tag
  • schnelle Arzttermine 

Krankenversicherungs­beiträge im Rentenalter

Stimmen die Mythen, dass die PKV im Rentenalter unbezahlbar wird und die Beträge immer weiter steigen? Wie verhält sich das jetzt genau im Rentenalter? Eine exakte Auskunft, die auf alle zutrifft, ist immer schwierig! Deswegen sind ja auch so viele Informationen oftmals einfach nur irreführend. Um eine genaue Prognose für deinen Fall zu erhalten, vereinbare bitte einen Beratungstermin.

Doch zwei reale Beispiele möchte ich dir mit auf den Weg geben:

1. Selbstständig, deutsche Rentenversicherung befreit:
Da passt ja mein Kollege Oli wieder gut rein. Oli ist von der deutschen Rentenversicherungspflicht befreit, bedeutet, dass er keinen Zuschuss der Krankenversicherung im Rentenalter erhält. Folgendes passiert bei ihm:

Mit dem 60. Lebensjahr entfällt der 10 % Zuschlag.
Mit dem offiziellen Renteneintritt oder früher, wenn Oli der Meinung ist, dass er kein Krankentagegeld mehr benötigt, dann fallen weitere Prozente weg. Der Anteil für das Krankentagegeld beträgt ca. 15 % des Beitrags. So muss er schon mal ca. 25 % weniger Beitrag zahlen.

Außerdem hat Oli bis zu seinem 65. Lebensjahr jeden Monat 200 Euro gespart. Deshalb verfügt er bei Renteneintritt über ein Zusatzvermögen von ca. 400.000 Euro. Warum erzähle ich dir das? Das hat doch nichts mit der privaten Krankenversicherung zu tun! Doch, hat es. Zumindest für den Vergleich zur Gesetzlichen.

Wenn Oli in der gesetzlichen Krankenversicherung geblieben wäre, dann wäre er dort ein freiwilliges Mitglied. Das würde bedeuten, dass er auf alle Einnahmen im Rentenalter volle Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen muss.

Beiträge auf:
• Rente der deutschen Rentenversicherung
• auf Mieteinnahmen
• auf Rentenversicherungen
• auf Riester und Rürup Verträge
• auf Zinsen und Dividenden aus Anlagevermögen

Oli hätte also sehr wahrscheinlich auch im Rentenalter Höchstbeiträge zur gesetzlichen Krankenversicherung zahlen müssen. Für die private Krankenversicherung spielt das Einkommen und Vermögen dagegen keine Rolle für die Berechnung des Beitrags.

Wie sieht es jetzt aber mit einem Angestellten aus, der über der Jahresarbeitsentgeltgrenze verdient und somit auch die Möglichkeit hat, sich privat zu versichern?

Auch für die angestellten Privatversicherten entfällt ab dem 60. Lebensjahr der gesetzliche 10 % Zuschlag. Und auch du hast die Möglichkeit, bis spätestens zum Rentenbeginn, deinen Krankentagegeldtarif (macht ca. 10 bis 20 Prozent des gesamten Beitrages aus) zu kündigen.
Außerdem bekommen Arbeitnehmer:innen einen Zuschuss der Krankenversicherung der Rentner aus der deutschen Rentenversicherung.

Der Zuschuss beträgt im Jahr 2020 max. 7,85 % der Höhe der gesetzlichen Rente und ist maximal bis zur Hälfte der tatsächlichen Krankenversicherungskosten begrenzt.

Was kosten Kinder in der PKV?

Was kosten denn nun Kinder in der privaten Kranken­versicherung? Zu allererst: Jede Person muss selbstständig versichert werden. Da die Versicherungsunternehmen aber auch bei der Geburt schon wissen, dass dein Kind spätestens mit Beginn der Ausbildung wieder in der gesetzlichen Krankenversicherung pflichtversichert wird, entfallen bei Kindern die Altersrückstellungen und auch der gesetzliche 10 % Zuschlag. Kinder sind je nach Leistungswünschen im Mittel für 100 bis 150 Euro versicherbar. Bei unseren meistgewählten Tarifen für Kinder kommen wir regelmäßig auf 125 Euro pro Kind. Auf diese Prämie hast du ebenfalls Anspruch auf den Arbeitgeberzuschuss für die Hälfte des Beitrages, maximal bis zur Hälfte der Beitragsbemessungsgrenze.

Welchen Vorteil hast du für deine Kinder, wenn du selbst privat krankenversichert bist?

Deine Kinder können ab der Geburt, unabhängig von ihrem Gesundheitszustand, bei deiner Kranken­versicherungs­gesellschaft und zu deinen geltenden Tarifbedingungen aufgenommen werden. Hier besteht seitens der Krankenversicherer ein Aufnahmezwang. Sollte also eines deiner Kinder mit einer behandlungsintensiven Erkrankung das Licht der Welt erblicken, hast du zumindest eine Sorge weniger. Deine Kinder sind genauso gut wie du privat versichert.

Muss ich immer eine Kreditkarte dabei haben?

Du musst weder haufenweise Bargeld, eine Kreditkarte noch Gold mit dir rumtragen. Die meisten privaten Krankenversicherungs­unternehmen stellen dir eine Rechnungs-App zur Verfügung. Mit der kannst du ganz einfach deine Rechnungen scannen und diese elektronisch mit Sendebericht an deine Krankenversicherung leiten. So funktioniert das mit den Rechnungen: Wenn du dich von deinem Hausarzt wegen einer Grippe behandeln lässt, dann bekommst du innerhalb von ein bis acht Wochen eine Rechnung mit einem Rechnungsbetrag von ca. 20 bis 40 Euro. Das Zahlungsziel liegt meistens bei zwei bis vier Wochen. Sobald die Rechnung bei dir eingeht, scannst du diese mit deiner Rechnungs-App ein und bekommst innerhalb der nächsten ein bis zwei Wochen die Erstattung deiner Krankenversicherung. Oli, der ja seit 15 Jahren privat versichert ist, musste noch kein einziges Mal eine Rechnung vorstrecken. Aber es kam ziemlich häufig vor, dass das Geld der Krankenversicherung zur Erstattung schon auf seinem Konto war und er immer noch ein bis drei Wochen Zeit hatte, dieses dem Arzt zu überweisen. Also, das ist wirklich easy.

Kann ich noch in die GKV zurück?

In unseren Beratungsgesprächen hören wir auch oft die Mythen, dass man nicht in die GKV zurück könne. Zurück in die gesetzliche Krankenversicherung geht es grundsätzlich bis zum 55. Lebensjahr, wenn du beispielsweise unter die Jahresarbeitsentgeltgrenze fällst. Diese liegt im Jahr 2020 bei 62.550 Euro. Da hast du auch keine Wahlmöglichkeit. Du musst dann wieder zurück! Übrigens, kann man diese Grenze künstlich mit mehreren Möglichkeiten herbeiführen.

Solltest du vor dem 55. Lebensjahr auch nur für einen Monat Arbeitslosengeld 1 beziehen, hast du die Möglichkeit, wieder zurück in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln.

Solltest du selbstständig sein und bis zu deinem 55. Lebensjahr feststellen, dass die Einnahmen der Selbstständigkeit doch nicht gereicht haben, um ein kleines Vermögen aufzubauen, dann kannst du (und solltest du wahrscheinlich auch) in eine versicherungspflichtige Tätigkeit als Arbeitnehmer:in wechseln, um so wieder versicherungspflichtig zu werden. Es gibt auch ein paar Möglichkeiten ab dem 55. Lebensjahr zurückzuwechseln. Diese sind aber sehr eingeschränkt.

Über den Autor

Oliver Schulz, geboren 1981 in Bremen, ist seit seinem 20.
Lebensjahr Berater für Versicherungen und Finanzen. Mit
seinen 20 Jahren Beratungserfahrung, betreut er
heute ca. 3000 Mandanten. Oliver Schulz ist neben seiner
Beratertätigkeit, Ausbilder, Coach und Vortragsredner für
Startup-Unternehmen, Immobilien, Börse & Investment sowie
die private Krankenversicherung.